Zechen im Wandel der Zeit

Weithin sichtbar stehen sie da, die Fördergerüste unserer Zechen im Ruhrgebiet. Doch was passiert mit den Gründstücken und den alten Zechengebäuden? Einige Zechen wurden als Museen ausgebaut. Diese Umbaumaßnahmen wurden meist durch Heimatvereine der jeweiligen Städte durchgeführt. Weiter gibt es einige Bürgerstiftungen und Fördervereine, die sich für den Erhalt der Zechengelände einsetzen. Beispiele hierfür sind z.b. der Heimatverein in Marl, der die Zeche Auguste Victoria Schacht 4 in Marl liebevoll in ein Bergbaumuseum umgebaut hat oder auch der Förderverein Königsborn III/IV e.V, der gerade die Räumlichkeiten der Zeche Königsborn III/IV renoviert. Finanziert wird dies ganze aus Spenden und durch den Erlös von Führungen oder Vermietung der Räumlichkeiten für private Veranstaltungen.

     

Bilder:Innenansicht des Museums Auguste Victoria Schacht 4

Die Zeche Ewald in Herten befindet sich ebenfalls in der Umbauphase. Nach der Stilllegung der Zeche wird hier ein Industriestandort für Unternehmen verschiedenster Größenordnung entstehen. Historische und unter Denkmalschutz stehende Zechengebäude sollen erhalten bleiben und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Im Malakowturm aus dem Jahre 1888 entsteht ein Bürogebäude, ein Hotel mit Einkaufsmöglichkeiten ist in der Planung und kurz vor der Eröffnung steht ein Restaurant, der Zechenbaron. In der alten Heizzentrale aus dem Jahre 1916 entstand eine Eventhalle, in der bereits jetzt diverse Veranstaltungen laufen. 2 große Halden mit phantastischer Sicht über das gesamte Ruhrgebiet und begrünte
Wanderwege hinter dem Zechengelände laden zu ausgiebigen Spaziergängen ein. Unter Aufrechterhaltung der historischen Bausubstanz wird hier ein unvergleichbares Ensemble entstehen, das Tradition mit moderner Architektur vereint.

Die Zeche Zollverein in Essen ist weit über das Ruhrgebiet hinaus als Veranstaltungsort bekannt und gehört zum Weltkulturerbe. Dies sind natürlich nur einige Beispiele für die Nutzung ehemaliger Bergbaugelände. Man könnte es endlos fortsetzen. Leider stehen auch viele Zechen vor dem totalen Verfall. Der kleine Bruder der Zeche Zollverein, die Zeche Pluto Schacht Wilhelm in Wanne-Eickel ist ein trauriges Beispiel hierfür. Die Zeche Pluto stammt noch aus der Gründerzeit des Bergbaus (1857-1860 ). 1893 kam Schacht 3 zunächst als Wetterschacht, ab 1895 auch als Förderschacht hinzu. Nach einer Umstrukturierung im Jahre 1926 erhielt er den Namen Pluto-Wilhelm. Am 31.März 1976 wurde hier die letzte Schicht gefahren und 1993 offiziell stillgelegt. Das Fördergerüst (Doppelbockgerüst in rahmenförmiger genieteter Vollwandkonstruktion) stammt aus dem Jahre 1953 und wurde genau wie die Schachthalle vom Architekten Fritz Schupp entworfen. Fritz Schupp ist auch für die Architektur der Zeche Zollverein verantwortlich. Doch während der große Bruder in Essen von der Unseco zum Weltkulturerbe ernannt wurde, verfällt die kleinere Ausführung in Wanne- Eickel immer mehr. Die Nutzung des gesamten Geländes konzentriert sich auf wenige Gebäude. Große Teile sind jedoch ungenutzt. In einigen Hallen sind Zentrale Dienste (Grubenwehr und Bohrwerkstatt), das Arbeitsmedizinische Zentrum und ein Labor für Kohle und Umwelt untergebracht. Ein grossteil der Gebäude ist jedoch wegen Einsturzgefahr geschlossen. Obwohl die Gebäude seit 1999 unter Denkmalschutz stehen ist an eine Renovierung aus finanziellen Gründen nicht zu denken. Der Antrag, das Zechengelände über ein Sonderprogramm „Denkmalschutz“ des Bundes zu fördern, scheiterte 20 0 8. Auch seitens des Eigentümers, der RAG-Montanimmobilien, ist keine weitere Verwendung vorgesehen. Immerhin wurden nun die

Fassaden mit Netzen abgehängt um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Das es anders geht zeigen ja die oben genannten Beispiele. Lässt sich nur hoffen, das auch hier eine langfristige Lösung gefunden wird, bevor diese Kulturdenkmäler komplett verfallen und ein Stück Ruhrgebiet für immer verschwindet.

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